Notfallbehandlung PEP

Kurz-Definition

  • Die PEP (=Post-Expositions-Prophylaxe; etwa: „Nach-Risiko-Vorsorge“) ist eine medikamentöse Notfall-Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten. Sie ist keine „Pille danach“! Es besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen!
  • Sie hat den Zweck, eine HIV-Infektion nach einer konkreten Risikosituation zu verhindern.
  • Sie muss möglichst schnell begonnen werden, um Aussicht auf Erfolg zu haben (idealerweise unter 2 Stunden nach Exposition). Der durchschnittliche Schutzeffekt liegt bei ca. 80%.
  • Die Einnahme der Medikamente erfolgt täglich über 30 Tage.

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Wer bekommt die PEP verschrieben und wer nicht?

Die PEP wird nur von HIV-Facharztpraxen und großen Krankenhäusern angeboten.
Über die Verschreibung der PEP entscheidet allein der jeweils diensthabende Arzt.
Die notwendigen Informationen erfragt er vorab in einem Anamnese- und Beratungsgespräch.

Entscheidungsgrundlage des Arztes ist die
Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-PEP (Stand: 2018).
Nach dieser wird die PEP…

empfohlen nach

  • unsicherem Analverkehr, wenn der Sexpartner bekannt HIV-positiv,
    aber sein Behandlungsstatus (Viruslast) unbekannt ist.
  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr, wenn der Sexpartner bekannt HIV-positiv
    und in antiretroviraler Behandlung ist, aber aktuell eine Viruslast >50 Kopien/ml Blut aufweist
    (d.h. über der Nachweis­grenze ist).
  • gemeinsamem Gebrauch von Injektionsbesteck sowie bei Stichverletzungen
    mit einer zuvor frisch benutzten Nadel bzw. Klinge.

fallabhängig angeboten nach

  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr, wenn der HIV-Status des Sexpartners unbekannt
    und nachträglich auch nicht zu erfragen/klären ist.
  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr mit Personen,
    die intravenös Drogen gebrauchen
  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr mit Personen,
    die aus HIV-Hochprävalenz-Gebieten (z. B. Subsahara-Afrika) stammen
    und deren HIV- bzw. Behandlungsstatus unbekannt ist.

nicht verschrieben nach

  • heterosexuellem Gelegenheitskontakt (One Night Stand),
    auch wenn der HIV-Status unbekannt ist.
  • Anal- oder Vaginalverkehr, wenn der Sexpartner bekannt HIV-positiv ist,
    aber eine Viruslast <50 Kopien/ml Blut aufweist
    (d.h. unter der Nachweisgrenze ist).
  • ggf. unsicherem Geschlechtsverkehr mit Sexarbeiter:innen.
  • Oralverkehr, da das Infektionsrisiko heute als sehr gering eingeschätzt wird.

Uneinheitlich geregelt ist die Empfehlungspraxis leider im Kontext von

  • Vergewaltigungen.

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Wie und woher bekomme ich die PEP?

  • Versuch zunächst Ruhe zu bewahren.
    Wenn möglich, kontaktiere deinen Sexpartner noch mal und frage nach seinem HIV-Status.
    Häufig lassen sich auf diesem Weg schon einige Befürchtungen ausräumen.
  • Falls das nicht möglich ist, du aber ein relevantes Risiko hattest (siehe Liste oben),
    kontaktiere einen HIV-Facharzt oder die Notfall-Ambulanz in Jena.

    Wenn möglich, bitte deinen Sexpartner, dich dorthin zu begleiten, um alle offenen Fragen zu klären.
  • Wochentags bzw. tagsüber wende dich an einen der HIV-Fachärzte in Thüringen.
  • Am Wochenende bzw. nachts wende dich an die Notfall-Ambulanz des Uniklinikums in Jena. Das ist die einzige offizielle Bezugsstelle in Thüringen. Wenn du in Erfurt wohnst, kannst du auch im Helios Klinikum Erfolg haben.
  • Begib dich möglichst umgehend dorthin!
    Sag in der ZNA, dass du eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) machen möchtest.
    Frag nach dem diensthabenden Internisten (andere Ärzte kennen sich mit der PEP oft nicht aus).

Universitätsklinikum Jena
– Zentrale Notaufnahme –
Am Klinikum 1
07747 Jena
Website

Helios-Klinikum Erfurt
– Zentrale Notaufnahme –
Nordhäuser Straße 74
99089 Erfurt
Website

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Je eher, desto besser!

Ob die PEP einen Schutzeffekt hat und wie hoch dieser letztlich ist, hängt maßgeblich davon ab, wann die Behandlung begonnen wird.

  • Bei Beginn innerhalb von 2 Stunden nach Exposition ist die beste Schutzwirkung zu erwarten.
  • Nach intravenösen Nadelstich-, Biss- oder Stichwunden Beginn bis 24 Stunden nach Exposition.
  • Nach ungeschütztem Sex Beginn maximal 48 Stunden nach Exposition.
    Danach
    lehnen viele Kliniken den Beginn einer PEP-Behandlung ab (geringe Erfolgsaussicht, hohes Nebenwirkungsrisiko).
  • Ab 72 Stunden ist die PEP vermutlich unwirksam und wird generell nicht mehr empfohlen.

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Ablauf der PEP-Behandlung

  • In der Praxis/Ambulanz wird dir zunächst Blut abgenommen. Damit wird ein Vorab-HIV-Test gemacht und eine Blutreserve für die spätere Laboruntersuchung zurückgelegt.
  • Du erhältst eine erste Dosis PEP-Medikamente und eine Überweisung für die Praxis eines spezialisierten HIV-Facharztes. Dieser betreut dich in den kommenden Wochen.
  • Du nimmst die Medikamente ca. vier Wochen bzw. 30 Tage ein.
    Das Einnahmeschema liegt üblicherweise bei 1 Tablette täglich.
    Sie besteht aus einer Kombination mehrerer antiretroviraler Medikamente, die verhindern, dass das Virus sich im Körper festsetzen und vermehren kann.
  • Ein Tipp: Während deiner PEP-Behandlung kannst Du deinen HIV-Arzt auch darum bitten, dich ggf. gleich mit gegen Hepatitis A und B zu impfen und auf weitere STI (sexuell übertragbare Infektionen) zu testen.
  • Wie bei vielen Medikamenten kann es auch bei der PEP zu temporären Nebenwirkungen kommen.
    Am häufigsten werden Kopfschmerzen, Übelkeit und Abgeschlagenheit berichtet.
  • Nach zwei Wochen werden deine Blutwerte noch mal vom Arzt untersucht.
    Nach vier Wochen dann ein letztes Mal.
  • Zum Abschluss der Behandlung wirst du erneut auf HIV getestet (Kontrolle des Behandlungserfolgs).

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Wer trägt die Kosten?

  • Bei ärztlich verschriebener PEP nach einem „substanziellen bis erheblichen“ Risiko übernimmt deine gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die komplette Behandlung.

Weitere Informationen:
https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/documents/Kleine%20Reihe%20PEP.pdf