PEP (HIV-Notbehandlung)

Die HIV-Post-Expositions-Prophylaxe (=PEP; sinngemäß „Nach-Risiko-Vorsorge“) ist eine kurzfristig zu beginnende Notbehandlung mit antiretroviralen Medikamenten. Sie wird durchgeführt, um eine HIV-Infektion nach einem konkreten Risikokontakt zu verhindern.


Wer bekommt die PEP, wer nicht?

Empfohlen wird die PEP nach

  • unsicherem Analverkehr, wenn der Sexpartner bekannt HIV-positiv,
    aber sein Behandlungsstatus (Viruslast) unbekannt ist.
  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr, wenn der Sexpartner bekannt HIV-positiv und in antiretroviraler Behandlung ist, aber aktuell eine Viruslast über 50 Kopien/ml aufweist (also über der Nachweis­grenze ist).
  • nach dem gemeinsamen Gebrauch von Injektionsbesteck sowie bei Stichverletzungen mit einer frisch benutzten Nadel.

Angeboten wird die PEP nach

  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr, wenn der HIV-Status des Sexpartners unbekannt
    und nachträglich auch nicht zu erfragen/klären ist.
  • unsicherem Anal- oder Vaginalverkehr mit Personen, die intravenös Drogen gebrauchen, oder
    die aus HIV-Hochprävalenz-Gebieten (z. B. Subsahara-Afrika) stammen und deren HIV-Status unbekannt ist.

Nicht indiziert/verschreibungsfähig ist die PEP

  • nach heterosexuellen Gelegenheitskontakten (One Night Stands), auch wenn der HIV-Status unbekannt ist.
    Das gilt auch für unsicheren Geschlechtsverkehr mit Sexarbeitenden.
  • nach Oralverkehr, da das Infektionsrisiko heute als sehr gering eingeschätzt wird.
  • nach Anal- oder Vaginalverkehr, wenn der Sexpartner bekannt HIV-positiv ist,
    aber seine Viruslast unter der Nachweisgrenze (<50 Kopien/ml) liegt.

Uneinheitlich geregelt ist leider die Empfehlungspraxis nach Vergewaltigungen.

Die Leitlinie für ärztliche Entscheidungen zur PEP ist die Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-PEP, Stand: 2018 (Link). Hier noch mal ein Auszug der wichtigsten Risiko-Konstellationen im Überblick:

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Wo bekomme ich die PEP?
Wer entscheidet, ob ich sie bekomme oder nicht?

Zunächst ist es ratsam, Ruhe zu bewahren. Wenn möglich, kontaktiere deinen Sexpartner noch mal und frage nach seinem/ihrem HIV-Status. Womöglich lassen sich auf dem Weg schon einige Befürchtungen ausräumen.
Falls das nicht möglich ist, du nach obiger Tabelle aber eine relevante Risikosituation hattest, dann geh den nächsten Schritt: Kontaktiere einen Schwerpunkt-Arzt oder die Notfall-Ambulanz.
Wenn du noch Kontakt zu deinem Sexpartner hast, frage ihn/sie, ob er/sie dich dorthin begleitet. Dann können alle relevanten Fragen zuverlässig geklärt werden.

Die HIV-PEP wird nur von spezialisierten Arztpraxen und Krankenhäusern angeboten. Ob eine PEP sinnvoll ist bzw. empfohlen wird, entscheidet letztlich immer der diensthabende Arzt in der Ambulanz oder Praxis. Der Entscheidung geht immer eine Anamnese bzw. ein Beratungsgespräch voraus.

Wochentags und tagsüber kannst du dich für die PEP an die Praxen der HIV-Schwerpunktärzte in Thüringen (Link) wenden.

Am Wochenende und nachts ist die einzige offizielle Bezugsstelle in Thüringen die Zentrale Notaufnahme des Uniklinikums in Jena. Die Adresse lautet:

Universitätsklinikum Jena
Zentrale Notaufnahme (ZNA)
Am Klinikum 1
07747 Jena
Für mehr Infos klicke hier.

„Inoffiziell“ kannst du – wenn du in Erfurt wohnst – auch in der ZNA des Helios Klinikums Erfolg haben:

Helios-Klinikum Erfurt
Zentralen Notaufnahme
Nordhäuser Straße 74
99089 Erfurt

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Je eher, desto besser…

Der Schutzeffekt der PEP ist davon abhängig wann mit der Behandlung begonnen wurde. Er wird durchschnittlich(!) auf ca. 80% geschätzt.
Die beste Schutzwirkung ist bei Beginn der PEP innerhalb von 2 Stunden nach Exposition zu erwarten.
Nach intravenösen Nadelstich- oder Biss oder Stichwunden bestehen bis zu 24 Stunden nach Exposition gute Erfolgsaussichten. Nach ungeschütztem Sex sollte spätestens 48 Stunden danach mit der PEP begonnen werden – ab dann lehnen einige Kliniken bereits den Beginn einer PEP-Behandlung ab. Ab 72 Stunden ist sie vermutlich unwirksam und wird generell nicht mehr empfohlen.


Wie läuft die PEP ab?

In der Praxis oder Ambulanz wird dir zunächst Blut abgenommen. Damit wird ein Vorab-HIV-Test gemacht und eine Blutreserve für die spätere Laboruntersuchung zurückgelegt. Du erhältst eine erste Dosis PEP-Medikamente und eine Überweisung für die Praxis eines spezialisierten HIV-Schwerpunktarztes. Dieser betreut dich in den kommenden Wochen. Die PEP-Medikamente nimmst du vier Wochen bzw. 30 Tage ein – üblicherweise 1 Tablette täglich. Sie besteht aus einer Kombination von mehreren antiretroviralen Einzelpräparaten. Die hindern das Virus durch verschiedene Wirkmechanismen daran, sich im Körper festzusetzen und sich zu vermehren. Wie alle Medikamente kann es aber hin und wieder auch zu temporären Nebenwirkungen kommen (am häufigsten sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Abgeschlagenheit).

Nach zwei Wochen werden deine Blutwerte noch mal vom Arzt untersucht. Nach vier Wochen ein letztes Mal. Da wirst du dann auch noch mal auf HIV getestet – bestenfalls ist das Ergebnis negativ.

Ein Tipp: Während deiner PEP-Behandlung kannst Du deinen HIV-Schwerpunktarzt auch darum bitten, dich gleich mit gegen Hepatitis A und B zu impfen und auf STIs (weitere sexuell übertragbare Infektionen) zu testen.


Kosten

Wenn du die PEP nach einem der oben empfohlenen Risikosituationen empfohlen bzw. angeboten bekommst, übernimmt in der Regel deine gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Behandlung.