Übertragungswege & Risikosettings
- HIV ist ein schwer übertragbares Virus.
- Grundsätzlich gilt: n=n (nicht nachweisbar = nicht übertragbar).
- Im Alltag und auf Arbeit besteht kein Infektionsrisiko.
- Rund 90% der Ansteckungen erfolgen bei ungeschütztem Sex und etwa 10% bei intravenösem Drogengebrauch.
Menschen mit HIV unter antiviraler Therapie sind heute kaum noch mit persönlichen Einschränkungen ihrer Lebensführung konfrontiert. Ein langes Leben bei guter Lebensqualität, Arbeit, Partnerschaft, ein erfüllendes Sexleben, ggf. Familienplanung, natürliche Geburt und das Stillen an der Brust – das alles ist bei einer stabilen medikamentösen Behandlung heute problemlos möglich.
Trotz der enormen medizinischen Fortschritte im Bereich der HIV-Medizin bestehen bei vielen Menschen nach wie vor Unsicherheiten und Ängste in Bezug auf eine mögliche HIV-Ansteckung. Daher nachfolgend einige grundlegende Informationen zu realistischen bzw. unrealistischen Risiken:
Ein Infektionsrisiko besteht insbesondere bei…
- unsicherem Sex, vor allem Vaginal- bzw. Analsex ohne Kondom oder PrEP
- unsicherem Drogenkonsum, vor allem durch Blut bzw. bluthaltige Anhaftungen in oder an nicht-sterilen Konsumutensilien
- der Geburt bzw. beim Stillen eines Kindes, wenn eine HIV-positive Schwangere bzw. Mutter keine antiretroviralen Medikamente einnimmt.
Kein Infektionsrisiko besteht hingegen…
- beim Küssen, Händedruck oder Umarmen
- beim Anhusten oder Anniesen
- bei der gemeinsamen Benutzung von Geschirr, Besteck, Toiletten, Textilien, Türklinken, Oberflächen…
- beim gemeinsamen Besuch von Schwimmbädern oder Saunen
- bei der gemeinsamen Nutzung des Wohnraums und des Arbeitsplatzes
- beim Betreuen und Pflegen von Menschen mit HIV
- bei der Erbringung von Erste-Hilfe-Maßnahmen unter den üblichen Hygienevorschriften
- bei medizinisch-kosmetischen Behandlungen (Zahnmedizin, Fußpflege…) unter den üblichen Hygienevorschriften
- beim Tätowieren und Piercen unter den üblichen Hygienevorschriften
- bei Insektenstichen
Eine HIV-Übertragung ist wahrscheinlicher, wenn mehrere Faktoren begünstigend sind. Zum Beispiel:
- stark virushaltige Körperflüssigkeit
(vor allem Blut, Sperma, Vaginalsekret, Enddarmsekret, Muttermilch…) - geeignete Eintrittsstelle
(vor allem über Schleimhäute, entzündete oder eitrige Wunden, durch andere STI veränderte Haut…) - Reibung/Druck oder lange Einwirkzeit
(insbesondere bei Schleimhautkontakt, z. B. beim Geschlechtsverkehr)
Übertragung beim Sex
Am häufigsten wird HIV beim Sex übertragen (ca. 80% der HIV-Neuinfektionen in Deutschland).
Dabei sind Infektionsrisiken unterschiedlich verteilt:
- Riskant ist vor allem ungeschützter Sex, d.h. vaginaler bzw. analer Geschlechtsverkehr ohne Kondom, Femidom oder PrEP.
Dabei kommt es häufig zu Mikroverletzungen durch lange/intensive Reibung der Schleimhäute. Mit Blut, Sperma, Vaginal- oder Endarmsekret sind ggf. virushaltige Körperflüssigkeiten beteiligt. - Das Risiko einer HIV-Übertragung ist erhöht, wenn sich im Blut bzw. anderen Körperflüssigkeiten besonders viele Viren befinden. Das ist vor allem in den ersten 2 bis 3 Wochen nach Infektion der Fall, weil sich das Virus in dieser Zeit stark vermehrt.
Das Risiko ist hingegen deutlich geringer, wenn sich nur wenige Viren im Blut befinden – etwa wenn HIV-Medikamente deren Vermehrung unterdrücken bzw. vollständig verhindern. - Oralsex birgt nur ein verschwindend geringes HIV-Risiko und gilt daher nicht als HIV-Risikokontakt. Die Mundschleimhaut ist sehr widerständig und eine ggf. infektiöse Flüssigkeit wird durch den Speichel zusätzlich verdünnt. Auch Mikroverletzungen im Mundraum
(z. B. bei Zahnfleischbluten) sind keine geeigneten Eintrittswunden. - Auch wenn beim Sex Sperma oder (Menstruations-)Blut in den Mund gelangt, ist das Risiko für eine HIV-Übertragung gering.
Safer-Sex-Tipp: „Spucken oder Schlucken“ Durch baldiges Ausspucken des potenziell virushaltigen Körpersekrets ist dessen Einwirkzeit und somit das Ansteckungsrisiko gering. Beim Herunterschlucken zersetzt die Magensäure das Sekret vollständig. Zur Reduzierung des Restrisikos trinke ggf. anschließend noch ein Glas Wasser oder spüle den Mund kurz mit Wasser aus.
Übertragung beim Drogengebrauch
Unsicherer intravenöser Drogengebrauch ist der zweithäufigste Infektionsweg für HIV in Deutschland (ca. 10% der Ansteckungen).
- Es gibt risikoarme und risikoreiche Methoden des Drogengebrauchs.
Vermeide es unbedingt, gemeinsam mit anderen Menschen Drogen mit denselben Utensilien zu konsumieren! - Vor allem das (gemeinsame bzw.) nicht sterile Spritzen von Drogen ist hochriskant – vor allem im Hinblick auf Hepatitis B und C, aber auch auf HIV.
- Needle sharing, also das Teilen von Spritzbesteck oder anderer Konsumutensilien mit anderen Menschen, birgt große Infektionsrisiken. Der Grund: In bzw. an diesen haften oft kleinste Mengen an Blut bzw. Körpersekreten an, was zur Verunreinigung der gesamtem Droge/Substanz bzw. der verwendeten Materialien führt. Diese Anhaftungen sind in der Regel nicht mit bloßem Auge erkennbar.
- Durch Safer Use lässt sich das individuelle Infektionsrisiko beim Drogengebrauch deutlich senken.
Maßnahmen zur Risikominimierung
Hier erfährst du wie du dich konkret schützen kannst: